Der Pulstest nach A. F. Coca

Der amerikanische Allergologe Arthur F. Coca beobachtete, dass der Puls schnel­ler wird, wenn man etwas isst, was man nicht verträgt. Er entwickelte einen Puls­test, mit dem man solche Unverträglichkeiten identifizieren kann. Die Resultate seiner Beobachtungen beschrieb er u. a. in seinem Buch «Familial Nonreaginic Food-Allergy», das erstmals 1942 herauskam [1]. Gemäss Arthur F. Coca ver­schwan­den bei seinen Patienten und Patientinnen eine ganze Reihe von Symp­tomen, als sie die Lebensmittel, die sie nicht vertrugen, wegliessen: u. a. wieder­kehrendes Kopf­weh, Migräne, Schwindel, Verstopfung, Aphthen, Sodbrennen, Epilepsie, Bauch­schmerzen, Müdigkeit, Asthma, Diabetes Konjuktivitis, Nasen­bluten oder Extra­sys­tolen.

Lebensmittelunverträglichkeiten sind sehr individuell. Umso wertvoller ist dieser einfache Test, mit dem jede/r selber Lebensmittel testen kann.

Durchführung des Tests
Der Test selbst ist einfach.
Sie brauchen dazu: Einen Timer oder eine Uhr, Datenblätter (z. B. diese Pulsmessungstabelle) und die Fähigkeit, den eigenen Puls zu zählen (z. B. am Handgelenk).

Nehmen Sie den Puls 14 x täglich:

  • einmal bevor Sie aufstehen
  • vor jeder Mahlzeit
  • dreimal nach jeder Mahlzeit im Abstand von 30, 60 und 90 Minuten
  • vor dem Schlafen

Wichtig: Zählen Sie den Puls jeweils eine Minute lang. Ihn während 15 Sek. zu zählen und mit 4 zu multiplizieren ist zu ungenau [2].
Notieren Sie jeweils genau, was Sie essen, wie Sie sich fühlen, Ihre Aktivitäten, Veränderungen im Stuhlgang, weitere Besonderheiten. Essen Sie zwischen den Mahlzeiten nichts, wenn es möglich ist, ansonsten schreiben Sie bitte auf, was Sie essen.

Wenn Sie rauchen, führen Sie bitte einen entsprechenden Test mit dem Rauchen durch! Wenn Ihr Puls nach dem Rauchen innerhalb von 5-15 Min. mehr als 6 Schläge pro Minute schneller wird, sollten Sie während der Testphase nicht rauchen.

Interpretation der Resultate
Die Interpretation der Resultate kann knifflig sein.

Die Grundregeln:

Resultat Interpretation
Der Puls ist im Stehen höher als im Sitzen. Dies deutet auf eine Sensitivität auf Lebensmittel oder andere Stoffe in der Umgebung (z. B. Haus­staub­allergie, Parfum u. ä.) hin.
Das Puls-Maximum des Tages vari­iert um mehr als 2 Schläge/Min. Dies deutet auf eine bestehende Un­ver­träg­lich­keit hin.
Das Puls-Minimum tritt nicht regel­mässig morgens vor dem Aufstehen, sondern zu einer anderen Tageszeit auf. Dies deutet darauf hin, dass in der Schlafumgebung ein unverträglicher Stoff vorhanden ist (z. B. bei Haus­staub­allergie).
Eine Zunahme von mehr als 6-8 Schlägen/Min. nach einer Mahl­zeit. Dies deutet auf eine Un­ver­träg­lich­keit eines Bestandteils der Mahlzeit hin.
Die Pulsrate ist während 3 auf­einander­fol­gen­den Tagen kon­stant. Sie können ziemlich sicher sein, dass Sie in diesen 3 Tagen nur Lebens­mit­tel gegessen haben, die Sie ver­tra­gen.
Die Einnahme eines Lebensmittels, das Sie häufig essen, führt nicht zu einer Zunahme der Pulsrate. Sie können ziemlich sicher sein, dass Sie dieses Lebensmittel vertragen.

Schwierigkeiten der Interpretation:
Es gibt Faktoren, die die Interpretation der Resultate des Pulstestes erschweren. Dazu gehören:

1. Die Latenzperiode
2. Der «Carry-over»-Effekt
3. Das Prinzip von schweren und leichten Unverträglichkeiten
4. Die Reaktionsunfähigkeit des Systems nach einer starken oder wiederholten Unverträglichkeitsreaktionen
5. Unverträglichkeit einer grossen Anzahl von wichtigen Lebensmitteln
6. Unverträglichkeit von bekannten oder unbekannten gasförmigen Stoffen, die man nicht vermeiden kann
7. Infektionen (z. B. Erkältungen)
8. Emotionale Erregung
9. Physische Anstrengung
10. Heisse Bäder

1. Die Latenzperiode
Wird ein unverträgliches Lebensmittel eine Weile nicht eingenommen, ist es möglich, dass man es nach dieser Pause ein oder mehrmals wieder verträgt. Die Dauer der Pause, die nötig ist, um ein unverträgliches Lebensmittel wieder zu vertragen, sowie die Menge, die nach einer Pause wieder vertragen wird, sind individuell verschieden.

2. Der «Carry-over»-Effekt
Beim «Carry-over»-Effekt tritt zuerst eine Pulsbeschleunigung innerhalb von Stunden nach der Einnahme auf, nimmt dann ab und tritt am nächsten Tag oder auch an mehreren folgenden Tagen in grösserer, gleicher oder kleinerer Intensität nochmals auf.

3. Das Prinzip von schweren und leichten Unverträglichkeiten
A. F. Coca beobachtete folgenden Effekt: Wenn eine Person die identifizierten unverträglichen Lebensmittel vollständig weglässt, tritt eine Symptom-freie Periode auf. Dann treten wieder Symptome auf, und der Pulstest zeigt weitere Unverträglichkeiten an auf Lebensmittel, auf die dieselbe Person vorher nicht reagiert hatte. Wenn also die hauptunverträglichen Lebensmittel weggelassen werden, können sich weitere, leichtere Unverträglichkeiten zeigen. Dieser Effekt kann sich auch mehrmals wiederholen.

4. Die Reaktionsunfähigkeit des Systems nach einer starken oder wiederholten Unverträglichkeitsreaktion
Mehrere starke Reaktionen (manchmal auch nur eine) auf ein bestimmtes Nahrungsmittel können verhindern, dass der Körper nochmals auf dasselbe oder ein anderes unverträgliches Nahrungsmittel reagiert und deshalb der Puls nicht oder nur wenig schneller wird, obwohl die Unverträglichkeit weiterhin besteht.

5. Unverträglichkeit einer grossen Anzahl von wichtigen Lebensmitteln
A. F. Coca beobachtete Menschen, die so viele Lebensmittel nicht vertrugen, dass es nicht möglich war, ein normales Leben zu führen. Es schlug in diesen Fällen eine Histamin-Desensibilisierung oder – in ganz schwerwiegenden Fällen – eine lumbale Sympathektomie vor.

6. Unverträglichkeit von bekannten oder unbekannten gasförmigen Stoffen, die man nicht vermeiden kann
Nach A. F. Coca kommt die Unverträglichkeit von Zigarettenrauch oder Haus­staub am häufigsten vor. Die Unverträglichkeit auf andere gasförmige Stoffe sei selten. Wenn sie aber auftritt, sei sie manchmal schwierig zu identifizieren.

7. – 10. Infektionen, emotionale Erregung, physische Anstrengung oder heisse Bäder führen alle zu einer Erhöhung der Pulsrate, die unabhängig von einer Lebensmittel-Unverträglichkeit auftritt. Diese Effekte müssen bei den Puls­messun­gen berücksichtigt werden.

Unterstützung
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Preis: 25 CHF pro 15 Minuten.

Referenzen
[1] In der Universitätsbibliothek Basel ist die zweite Auflage verfügbar: Arthur F. Coca: Familial Nonreaginic Food-Allergy. Charles C Thomas, Publisher, Springfield, 1945 (keine ISBN).
Online Version der Ausgabe von 1956.
[2] W. Köhler, G. Beckmann: Nomographische Pulsfrequenzbestimmung und Coca-Test. Das Deutsche Gesundheitswesen 1960 Jan 21, 20, S. 132-133.